Cabaret in London: Weimar-Berlin, erzählt aus englischer Perspektive
London Box Office
19 August 2026 um 10:44
Kaum ein Musical erzählt so viel deutsche Geschichte wie Cabaret — und kaum eines wird in Deutschland so selten in seiner Ursprungsform gesehen. Die Vorlage stammt von einem Briten, der Ende der 1920er-Jahre nach Berlin zog, und die Londoner Produktion hat für das Stück ein ganzes Theater in einen Klub verwandelt. Warum sich der Abend gerade für deutschsprachige Besucher lohnt.
Das Londoner West End, wo Cabaret im umgebauten Playhouse Theatre spielt.
Berlin, gesehen von einem Engländer
Der Ausgangspunkt ist Christopher Isherwood, der 1929 nach Berlin ging und dort bis 1933 blieb. Seine Berlin Stories, vor allem Goodbye to Berlin (1939), sind eine Momentaufnahme der späten Weimarer Republik — Pensionen, Klubs, klamme Künstler, und im Hintergrund der immer lautere Aufstieg der Nationalsozialisten. Die Figur der Sally Bowles stammt von dort.
Aus dem Stoff wurde zunächst das Bühnenstück I Am a Camera, dann 1966 das Musical von John Kander (Musik) und Fred Ebb (Texte) und schließlich 1972 der Film von Bob Fosse mit Liza Minnelli. Was in Deutschland als Weimar-Klischee bekannt ist, hat hier seinen Ursprung — nicht umgekehrt.
Die politische Schärfe, die oft übersehen wird
Der Kit Kat Klub ist kein bloßer Rahmen. Die Nummern kommentieren, was draußen passiert, und das Stück verschiebt sich fast unmerklich: Was als anzüglicher Spaß beginnt, endet als Beschreibung einer Gesellschaft, die wegsieht. Tomorrow Belongs to Me ist dafür das bekannteste Beispiel — ein Lied, das bewusst wie ein Volkslied klingt und erst im Verlauf zeigt, was es ist.
Für ein deutschsprachiges Publikum ist genau das der interessante Punkt: Das Stück erzählt die eigene Geschichte aus der Außenperspektive, mit einer Direktheit, die im deutschen Theater seltener gewählt wird.
Der Kit Kat Klub im Playhouse Theatre
Die Londoner Produktion hat das Playhouse Theatre in einen Klub umgebaut: Rundbühne, Tische im Parkett, Musikerinnen und Musiker im Raum verteilt, und ein Publikumsweg durch mehrere Bars, in denen schon vor Beginn gespielt wird. Wer früh kommt, bekommt einen Teil des Abends geschenkt.
Das Ergebnis ist ungewöhnlich nah: Man sitzt nicht vor dem Kit Kat Klub, man sitzt darin. Für ein Stück, dessen Thema die Mitwisserschaft ist, ist das die schlüssigste Entscheidung der ganzen Inszenierung.
Wie viel Englisch braucht man?
Mehr als bei einer durchgesungenen Show, aber weniger als bei einer Komödie. Die Handlung ist überschaubar, die Songs sind bekannt, und der deutsche Anteil im Text — Begrüßungen, Liedzeilen, das berühmte „Wilkommen, bienvenue, welcome“ — wirkt auf deutschsprachige Ohren ohnehin vertraut. Wer den Fosse-Film kennt, kommt problemlos mit.
Praktisches
Das Playhouse Theatre liegt an der Northumberland Avenue, wenige Minuten von Trafalgar Square und Embankment. Planen Sie Zeit vor der Vorstellung ein, um den Klub und das Vorprogramm mitzunehmen. Die Karten sind gefragt, besonders am Wochenende; unter der Woche und bei Aktionen wie der London Theatre Week ist der Einstieg deutlich günstiger.
Karten für Cabaret im Playhouse Theatre buchen bei London Box Office — E-Tickets, sofortige Bestätigung. Mehr zum West End und seinen Häusern finden Sie in unserem Beitrag über die Theater des West End.
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