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Nanny McPhee wird ein Musical: Warum das West End eine alte Münchner Bekannte zurückholt

London Box Office 27 August 2026 um 11:00

Nanny McPhee Musical - Poster

Bevor Emma Thompson die zauberhafte Nanny 2005 auf die Leinwand brachte, hatte sie längst eine deutsche Stimme: Jella Lepman, Gründerin der Internationalen Jugendbibliothek in München, übersetzte Christianna Brands Vorlage bereits 1966. Nun soll die Figur als Musical ins West End kommen – und seit Donnerstagmorgen ist es offiziell: Premiere im Sommer 2027.

Am Donnerstagmorgen bestätigt

Die offizielle Ankündigung kam am Donnerstag, 27. August: Die Uraufführung von Nanny McPhee, dem Musical nach den Filmen von Working Title und Universal, eröffnet im Sommer 2027 in London. Das Buch schreibt Emma Thompson, die Musik Gary Clark, die Songtexte beide gemeinsam, Regie führt Katy Rudd. Theater, Spieltermine und Besetzung folgen später.

„Ich lebe schon so lange mit Nanny McPhee, dass es mich ungeheuer freut, sie endlich auf der Bühne zu sehen. Das Theater fühlt sich wie ihr natürliches Zuhause an: Magie, Musik, Unfug und eine ordentliche Portion Gefahr können dort direkt vor den Augen des Publikums passieren.“
Emma Thompson

Das Kreativteam ist hochkarätig besetzt: Bühne und Kostüme von Rob Howell (Matilda the Musical), Choreografie von Ellen Kane, Orchestrierung von Simon Hale, musikalische Leitung von Nigel Lilley, Licht von Howard Hudson, Ton von Ian Dickinson für Autograph, Illusionen von Chris Fisher (Stranger Things: The First Shadow), Puppen von Samuel Wyer, Video von Andrzej Goulding (Life of Pi) und Casting von Natalie Gallacher. Präsentiert wird das Stück von Working Title Films und Universal Theatrical Group, produziert von Tim Bevan, Eric Fellner, Lindsay Doran, Emma Thompson, Paul Warwick Griffin, Gareth Hewitt Williams und Rebecca Quigley.

Für deutsche Leserinnen und Leser besonders interessant: Die Mitteilung nennt ausdrücklich Christianna Brands Nurse Matilda als Quelle, also das Kinderbuch, das hierzulande längst vor den Filmen bekannt war. Und der Sommer 2027 liegt bequem in den Schulferien – eine Londonreise mit Kindern lässt sich damit früh und ohne Terminakrobatik planen.

Für das Londoner Publikum ist Nanny McPhee eine Filmfigur mit Warze und Zauberstock. Für deutschsprachige Leserinnen und Leser ist sie deutlich älter. Schon 1966 brachte der Atlantis Verlag Christianna Brands Vorlage unter dem Titel Matilda, die seltsame Kinderfrau heraus – übersetzt von Jella Lepman, jener Journalistin und Übersetzerin, die 1948 in München die Internationale Jugendbibliothek gründete und wenige Jahre später die Weltorganisation IBBY anstieß. Die Ausgabe landete auf der Auswahlliste des Deutschen Jugendliteraturpreises 1967; die Jury lobte die „typisch englische Nonsens-Geschichte" ebenso wie Lepmans Übertragung. Wer also nach London reist, um sich das kommende Musical anzusehen, sieht keine importierte Neuheit, sondern eine Figur mit deutscher Vorgeschichte.

Was gerade passiert

Die zuständige PR-Agentur Story House hat den Stoff am Mittwochabend mit einem einzigen Satz angeteasert: „She's on her way…" – begleitet von einem neu eingerichteten Kanal unter dem Namen @NannyMcPheeMusical. Die ausführliche Ankündigung vom 27. August nennt Jahreszeit und Team, aber noch kein Haus. Erst dann dürften die Angaben zu Theater, Spielzeitraum und Besetzung vorliegen; bis dahin gilt alles Weitere ausdrücklich als unbestätigt.

Wer dahintersteht

Buch und Co-Songtexte stammen von Emma Thompson, die den Kinofilm von 2005 – in den deutschsprachigen Kinos als Eine zauberhafte Nanny gelaufen – geschrieben und in der Titelrolle gespielt hat. Die Musik schreibt der Songwriter Gary Clark. Thompson hat den Klang der Partitur einmal als Kreuzung aus den Tiger Lillies und Tom Waits' Album Swordfishtrombones beschrieben – also eher schräg und handgemacht als glattpoliert.

Regie führt Katy Rudd, die Ende 2024 zum Projekt stieß. Sie hat mit The Ocean at the End of the Lane am National Theatre und im West End sowie mit Ballet Shoes gezeigt, dass sie große Familienstoffe über Bühnenhandwerk erzählt: über Puppenspiel, Licht und Ensemblearbeit statt über Leinwandtricks. Das ist für ein Publikum, das Familienmusicals vor allem aus den großen Häusern in Hamburg und Stuttgart kennt, der eigentlich interessante Unterschied – hier entsteht kein weiterer Filmnachbau, sondern eine Bühnenlesart.

Ein Projekt mit langem Anlauf

Die Bühnenabteilung von Working Title arbeitet seit über einem Jahrzehnt an dem Stück. 2018 gab es einen Workshop, an dem Olivia Colman als Nanny McPhee sowie Lily James und Rory Kinnear teilnahmen. Wichtig: Ein Workshop ist eine Erprobung, keine Besetzung – aus diesen Namen lässt sich für die Londoner Produktion nichts ableiten. Eine erste Premiere war für 2023 angepeilt, wurde auf 2026 verschoben, und da inzwischen auch 2026 ohne bestätigte Theaterbuchung verstrichen ist, gilt 2027 derzeit als der wahrscheinlichste Zeitraum.

Zum Haus selbst kursieren Erwartungen, aber keine Bestätigung: Best of Theatre geht davon aus, dass die Produktion ins Aldwych Theatre zieht. Offiziell ist das nicht. Dort läuft aktuell Sinatra the Musical, dessen Vorstellungen bis zum 10. April 2027 buchbar sind – mehr lässt sich seriös nicht sagen.

Was das für eine Londonreise bedeutet

Konkret planen lässt sich derzeit nichts: Ohne Theater, Termine und Preise gibt es keinen Vorverkauf. Sinnvoll ist deshalb, den Stoff vorzumerken und die Ankündigung abzuwarten – bei Titeln dieser Größenordnung entscheidet erfahrungsgemäß die erste Verkaufswelle darüber, ob man an Wochenendtermine kommt. Sobald Haus und Spielplan feststehen, ergänzen wir diesen Beitrag und verlinken die Buchungsseite für Nanny McPhee.

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